PRESSE | Fräulein Wunder – ein Streifzug durch die frühe BRD

Generalanzeiger Bonn, 26.09. 2015

von Elisabeth Einecke – Klövekorn

Das Fräulein ist längst aus dem deutschen Wortschatz verbannt. In der Zeit, als Mister Pumpernickel Chris Howland mit Liedern wie „Fräulein“ berühmt wurde, entführt nun die Revue „Fräulein Wunder“ im Theater Die Pathologie. Intendantin Maren Pfeiffer hat sich umgeschaut im Wunderland der 1950ger Jahre zwischen Wirtschaftswunder und dem Wunder von Bern.
Anne Scherliess spielt im schwarzgetupften roten Petticoat-Kleid das reizende Fräulein Wunder, das im Café auf einen besseren Herrn wartet und dabei aus ihrer bunten Einkaufstasche allerhand Requisiten und Geschichten zaubert. Ihr goldfarbener Schal ist mal Schönheitskönigin-Schärpe, mal Picknickdecke und zornig zusammengefaltetes Bettlaken. Horváths Fräulein Pollinger trifft auf Rosemarie Nitribitt, von Erich Kuby einst „des deutschen Wunder liebstes Kind“ genannt. Aber auch auf Elisabeth Selbert, der die Bundesrepublik den Verfassungsgrundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ verdankt. In Pfeiffers amüsant-abgründiger Collage tauchen die Bekentnisse zur Trümmerliteratur ebenso auf wie Judith Kuckardts „Kaiserstraße“. Womit auch ein Bogen geschlagen wird zum literarischen „Fräuleinwunder“ am Ende des 20. Jahrhunderts.
Wir Wunderkinder kaufen uns einen bunten Luftballon. Der dient nämlich diesmal als Eintrittskarte für den unverschämt heiteren Rückblick ins Paradies der Käse-Igel und Mayonnaise Fliegenpilze. Nach einer nachdenklich vergnüglichen Stunde herzlicher Premierenbeifall für Anne Scherliess und Regisseurin Maren Pfeiffer.

Das intimste (und wahrscheinlich auch kleinste) Theater Bonns mit 25 Plätzen in den "Katakomben" des Restaurants Schumann's in der Weberstraße 43, der Bonner-Südstadt ,gegründet im Sommer 2000. Die Bühne versteht sich als ein Freiraum für Bühnenkünstler und wird von Maren Pfeiffer künstlerisch geleitet.

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