PRESSE | Alma Mahler – Werfel

„Alma Mahler – Werfel – Interview mit einem Vampir

alma

von Elisabeth Einecke – Klövekorn

Eigenwillige VIP-Witwe
„Alma Mahler-Werfel – Interview mit einem Vampir“ in der Pathologie

Zum Radio-Interview erscheint sie im eleganten schwarzen Cape mit Pelzbesatz. Alma, Witwe von Gustav Mahler und Franz Werfel, geschieden von Walter Gropius, der die Ehe mit ihr überlebte. Geliebte zahlreicher prominenter Künstler ihrer Epoche. Gestorben 1964 mit 85 Jahren in New York. Tochter des Wiener Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler und einer Hamburger Operettensängerin. Was der Schauspielerin Helga Bakowski schon mal den schnippischen kleinen Kickser entlockt, den sie beibehalten wird im „Interview mit einem Vampir“ mit dem realen Regisseur und fiktiven Gesprächspartner Christoph Pfeiffer. Den Trauermarsch aus Mahlers Erster Sinfonie erbittet er sich als Trailer vom mitspielenden Toningenieur Skippy (Guido Grollmann), bevor er die „verehrte gnädige Frau“ ans Studio-Mikro bittet.
Diese bedient die Klischees von der blutsaugerischen Künstlermuse ganz entschieden nicht. Die gebürtige Wienerin Bakowski spielt hinter der Fassade der weltgewandten öffentlichen Figur immer die sensible, musikalisch hochbegabte Frau. Erotisch aufgeweckt durch Gustav Klimt und Alexander von Zemlinsky, verstummt in der Ehe mit dem Hofoperndirektor Gustav Mahler. Liebesabenteuerlich verbunden mit Oskar Kokoschka, der sich nach der Trennung von ihr eine Sexpuppe nach ihrem Vorbild bauen ließ, die den Programmzettel zur Pathologie-Aufführung ziert.
Der Name „Alma“ bedeutet jedoch Seele, und genau die Beseligung in allen mehr oder minder glücklichen Beziehungen zitiert sie aus Tagebüchern und Briefen. Übrigens handschriftlich exzerpiert und mit Farben versehen, die allen Weggefährten ein Fluidum schenken, wie es nur eine ungeheuer kluge Frau schafft, die sich selbstbewusst immer neu erfindet. Eine fabelhafte Lebenskünstlerin, die ihren Befrager als Stichwortgeber akzeptiert, aber viel mehr zu sagen hat. Großartig!

Ca. 70 Min., keine Pause.

Interview mit einem Vampir – Hommage an Alma Mahler-Werfel anlässlich ihres 50. Todestages

Bonner Rundschau , 19.12.2014

Von ter

Bonn. Zum 50. Todestag von Alma Mahler-Werfel haben sich im Theater Die Pathologie Helga Bakowski und Christoph Pfeiffer des Nachlebens der Witwe Gustav Mahlers angenommen, nachdem schon zum 40. Todestag die umfangreiche Biografie von Oliver Hilmes im Siedler Verlag erschienen ist. Dass Alma Mahler-Werfel (1879-1964) bis heute zu den umstrittendsten Frauenfiguren gehört, belegt Hilmes auch: Auch bei ihm bleibt zu vieles Mutmaßung: Daran ist sie nicht unschuldig. Sie selbst, eine üppige Tagebuchschreiberin, habt ihr Leben stark redigiert. „Interview mit einem Vampir“ haben Helga Bakowski und Christoph Pfeiffer deshalb ihr Stück betitelt.
man könnte auch von einer Untoten oder Wiedergängerin sprechen. Die Verurteilung hat sich nämlich bis heute gehalten, dass man in Alma nur den Abglanz der bedeutenden Männer zu sehen habe, mit denen sie Beziehungen unterhielt.
Die berühmtesten heiratete sie: Gustav Mahler, Oskar Kokoschka, Alexander Zemlinski. Einer ihrer vielen Widersprüche besteht darin, Juden zu heiraten und dennoch einen zivilen Antisemitismus zu plegen. Der „Vampirismus“, den der Titel im Pathos-Keller entdecken lässt, ist gleichwohl zweideutig. Es gehört unbestritten auch die Faszination dazu, die sie auf die Männer ausstrahlte – immer eigennützig. Von der Klärung ihres Charakters hat sich andererseitss Christoph Pfeiffer mit seiner witzigen Szenerie freigehalten. er ist der Interviewer, der, überm Tisch das Mikro und im Abseits aufgelegte Mahlerplatten, Alma nach ihrem Leben befragt. Die Antworten sind zumeist aus authentischen Zitaten zusammengestellt. Am Dampfradio sitzt , bildlich gesprochen, das Publikum. Auf dem Tisch blinkt das gelbe Licht, wenn es ernst wird. „Wie darf ich Sie anreden, gnädige Frau?“ „Verehrte gnädige Frau genügt, junger Mann!“ Dann geht es zur Sache, es hängt vom Zuschauer ab, welch Bild er sich von Alma macht.
Helga Bakowski in der Rolle der Alma delingen – gegen die allgemeine Vorverurteilung – intelligente Retouchen. Sie verkörpert das Frauenbild heute und damals.

Das intimste (und wahrscheinlich auch kleinste) Theater Bonns mit 25 Plätzen in den "Katakomben" des Restaurants Schumann's in der Weberstraße 43, der Bonner-Südstadt ,gegründet im Sommer 2000. Die Bühne versteht sich als ein Freiraum für Bühnenkünstler und wird von Maren Pfeiffer künstlerisch geleitet.

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