PRESSE | Agonie und Ekstase des Steve Jobs

Generalanzeiger Bonn, 13..09.2014

Agonie

Foto: Jürgen Klack

Von Elisabeth Einecke-Klövekorn
Am Anfang war der Apfel. Und Steve biss hinein wie der Schauspieler Sunga Weineck – ganz in Apple-Weiß – nun im Theater die Pathologie. Regisseurin Maren Pfeiffer lässt ihn auf einer weißen Insel mit glitzernder Palme im Hintergrund stranden. Das Smartphone-Display leuchtet vergeblich: kein Empfang. Das derzeit auf etlichen deutschen Bühnen präsentierte Einpersonenstück „Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ ist in dieser Inszenierung nicht der Bericht eines kritischen Journalisten, sondern eine theatrale Reflexion über die Dinge, vor deren Existenz wir nicht ahnten, dass wir ohne sie nicht mehr existieren können.
Der Amerikaner Mike Daisey schrieb den Monolog auf Grund eigener Recherchen noch zu Lebzeiten des Apple-Gründers Steve Jobs, tourte damit durch die USA und stellte das Werk zum Download ins weltweite Netz. Das es so ohne die Global Players nicht gäbe, die damals in den 1970er Jahren in Kalifornien eigentlich nur spielen wollten. Da waren die jungen Nerds Steve Wozniak und Steve Jobs und bauten Kästen, mit denen man kostenlos Ferngespräche führen konnte. Einige Jahre später erfand das Genie Jobs den Mac und die Maus, und etliche Jahre später wurde aus einem chinesischen Fischerdorf Shenzhen eine Millionenstadt, beherrscht von Foxconn, wo ein großer Teil der elektronischen Spielzeuge produziert wird, die auf allen Kontinenten begehrt sind. Wegen der hohen Selbstmordrate unter den Arbeitern haben sie dort zwischen den Fabrikhochhäusern mittlerweile Netze aufgespannt.
Das ist auch der Einbruch der Wirklichkeit in die Geschichte, die Weineck wie ein groteskes Märchen erzählt. Sehr komisch zeigt er Jobs Zwischenspiel bei Pepsi, höchst amüsant auch die Sucht nach den ständigen Weiterentwicklungen der „I“-Familie mit Phone, Pod, Pad etc.
Mit dem legendären Biss in den Apfel kehrte die Menschheit zurück ins Paradies, Mac wurde ihr Gott und die Wirklichkeit zur in Bites und Bits aufgeteilten Information.
Die Wahrheit über Jobs, Apps und Cookies erfahren wir in knapp einer sehr vergnüglichen Theaterstunde natürlich nicht. Und dann klingelt ganz altmodisch ein Telefon. Keiner geht ran – der Applaus bei der ausverkauften Premiere am symbolischen Datum Nine Eleven war aber bombensicher.

Das intimste (und wahrscheinlich auch kleinste) Theater Bonns mit 25 Plätzen in den "Katakomben" des Restaurants Schumann's in der Weberstraße 43, der Bonner-Südstadt ,gegründet im Sommer 2000. Die Bühne versteht sich als ein Freiraum für Bühnenkünstler und wird von Maren Pfeiffer künstlerisch geleitet.

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